Erinnerung und Gerechtigkeit
Ruanda Jahr null
© Vincent Boisot
Zehn Jahre nach dem Ende des Völkermords treten bei den Überlebenden während der Gedenkfeiern "traumatische Krisen" auf. Naasson Munyandamutsa, ein ruandischer psychiatrischer Arzt, der am Wiederaufbau psychologischer Einrichtungen in Ruanda beteiligt war, erklärt dieses besondere Phänomen: Die Menschen werden ohnmächtig und verlieren für lange Zeit das Bewusstsein. Einige schreien, andere machen Vorwürfe, andere bleiben stumm. Wenn man in einer Gesellschaft ist, die durch Tod und Terror das Schweigen auferlegt hat, sind die Menschen nicht bereit zu sprechen. Es gibt kein Publikum. Wir haben Angst, den anderen zu infizieren. Die Zeit der Gedenkfeiern ist jene, in der die gesamte Gesellschaft offiziell und politisch eine Bühne für das Gedenken schafft. Die Menschen sprechen dann durch das Leiden. Daher diese traumatischen Krisen, die Hilferufe sind."