Treffen mit Jean und Marie Vaislic, Librairie Ombres blanches in Toulouse
Montag, 04. Juli 2016 von 18:00 bis 20:00 Uhr
Der Zeugnis ist wesentlich für den Aufbau des Gedenkens an die Shoah. Er ist eine unersetzliche Quelle für den Forscher und Historiker, er verleiht der Geschichte ein menschliches Antlitz. Weitergabe eines Wissens untrennbar mit Emotionen verbunden. Doch fast 70 Jahre nach dieser Tragödie ist es offensichtlich, dass die Zeugen verschwinden, dass ihre Stimme erlischt.
Unter diesen Stimmen, die man noch hören kann, ist die der Eheleute Vaislic. Wie viele andere Überlebende, sie haben sich entschieden, spät auszusagen. Marie hat ihre Erzählung 2014 veröffentlicht, während die von Jean für 2016 erwartet wird.
Ihre Geschichten sind ähnlich und doch sehr unterschiedlich. Marie Rafalovitch ist 14 Jahre alt, als ihr Leben am 24. Juli 1944 kippt. Von einem Nachbarn in Toulouse denunziert, wird sie von einem französischen Milizsoldaten und einem Mitglied der Gestapo verhaftet. Eingesperrt in der Caffarelli-Kaserne mit geraubten jüdischen Familien, wird sie nach Deutschland ins Frauenlager Ravensbrück deportiert. Allein ist die junge Teenagerin mit dem nationalsozialistischen Terror konfrontiert. Sie versteht schnell, dass sie nur auf sich selbst zählen kann. Anfang 1945 wurde sie nach der Evakuierung des Lagers nach Bergen-Belsen verlegt, wo sie die Befreiung erlebte.
Jean Vaislic wurde in Łódź, der zweitgrößten Stadt Polens, geboren. Auch er erlebte das Grauen mit 14 Jahren. Das Ghetto, der Tod seines Vaters, die Flucht auf dem Land, die Verhaftung, Auschwitz, der Todesmarsch... Jean Vaislic ist der einzige Überlebende einer 63-köpfigen Familie.
Ich wünsche niemandem, das zu erleben, was ich erlebt habe.
Ich bin nicht der Einzige, der das erlebt hat.
Aber es ist mir unmöglich, sie loszuwerden.
Wenn ich mein Gehirn von diesen Erinnerungen reinigen könnte, würde ich es tun.
Ich denke jeden Tag daran, aber ich spreche nicht darüber.
"Warum hast du das nicht gesagt?" sagen mir meine Söhne.
Weil es unmöglich ist.
Jean Vaislic
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Treffen moderiert von Maurice Lugassy, Regionalkoordinator der Gedenkstätte der Shoah.
Am 4. Juli von 18 bis 20 Uhr.
Librairie Ombres blanches
50 rue Léon Gambetta
31000 Toulouse
Freier Eintritt