Fragen an Lior Lalieu,
Kurator der Ausstellungim Rahmen der Ausstellung "Bilder der Razzia des "Greenback""

Sonntag, 10. Mai 2026 Donnerstag, 31. Dezember 2026

© Jérôme Aubignat

Lior Lalieu, Leiterin der Fotothek des Mémorial de la Shoah, Co-Komiteurin der Ausstellung.

Inwiefern ist die Entdeckung dieser Fotos einzigartig? Gibt es andere ähnliche Fundstücke?

Diese Fotos sind außergewöhnlich, es gibt keinen ähnlichen Bestand. Die Ikonographie der Shoah in Frankreich ist schrecklich arm. Bei der Razzia des Vel d'Hiv, die fast 13.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Frankreich mitnahm, gibt es nur ein einziges Foto: das der vor dem Vel d'Hiv geparkten Busse am 16. Juli 1942. Von den 76.000 deportierten Juden aus Frankreich wurden bis heute keine Zentimeter Film gefunden. Die deutsche und französische Zensur war so ausgeprägt, dass keine Fotos von diesen tragischen Episoden der Judenverfolgung in Frankreich aufgenommen worden zu sein scheinen. Dennoch taucht 80 Jahre später eine vollständige Reportage über die erste Razzia der Juden in Frankreich wieder auf, nämlich am 14. Mai 1941 in Paris im Gymnasium Japy.

Wie können wir diese Fotografien analysieren? Was zeigen sie? Was zeigen diese Bilder?

Der doppelte Blick eines deutschen Fotografen, der sich nach einer Untersuchung als jüdischer Abstammung entpuppt. Diese Fotos enthüllen die Razzia des Greenback in ihrer ganzen tragischen Dimension, die Falle, die sich gegen die am 14. Mai 1941 eingeladenen Männer geschlossen hat, die Frauen und Kinder, die hilflos zusehen, was vor ihren Augen geschieht, selbst in dieser Falle gefangen sind. Die deutschen Protagonisten, die französische Polizei und sogar die Nachbarn, alle Akteure oder Zeugen der Razzia sind auf den gefundenen Bildern zu sehen.

Läuft die Untersuchung weiter, haben Sie herausgefunden, wer die Personen auf diesen Fotos sind?

Die Untersuchung geht weiter. Wir sind entschlossen, die Namen der Männer, Frauen und Kinder des "Greenback" ausfindig zu machen. Die gefundenen Bilder enthüllen zum ersten Mal ihr Gesicht. Ihr Schicksal wird sehr selten erwähnt. Die Ausstellung wird ihnen ein erschütterndes Dasein und eine bewegende Resonanz zurückgeben.

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