Verlauf der Ausstellung
Shoah von Claude Lanzmann, die unveröffentlichten Aufnahmen

Entdecken Sie den Rundgang um die Audios der Shoah-Ausstellung von Claude Lanzmann, die bisher unveröffentlichten Aufnahmen

Fotografie: Tonkassetten aus der Lanzmann-Sammlung; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Roman März.

Teil eins - "Es ist eine Holocaust-Untersuchung."

Die Forschung

In diesen Aufnahmen erklärt Claude Lanzmann sein Filmprojekt und beantwortet gleichzeitig die Fragen seiner Gesprächspartner. Er behandelt seine Methoden und Perspektiven, aber auch psychologische Herausforderungen, persönliche Motivationen oder finanzielle und organisatorische Bedingungen.

TEIL 2 - "Sie können perfekt vor der Kamera schweigen."

Unhörbare Stimmen.

Einige der Befragten haben keine Lust, vor der Kamera zu sprechen. Hier sind drei Personen, die Claude Lanzmann nicht überzeugen konnte, am Dreh teilzunehmen. Ilana Safran, die von ihrer Deportation aus den Niederlanden nach Sobibor (Polen), ihrer Ankunft im Vernichtungslager und dem Aufstand der Gefangenen erzählt. Sie beschreibt auch, wie sie Mitte der 1960er-Jahre als Zeugin im Sobibor-Prozess die Schuldigen identifizieren musste.

Der Unternehmer Hermann Gräbe beschreibt, unter welchen Umständen er Zeuge von Massakern der Nationalsozialisten in der besetzten Ukraine wurde und wie er hunderte Zwangsarbeiter vor den Nazis schützen konnte. Um dies zu tun, wurde er bei dieser Aufgabe von Maria Bobrow unterstützt, die selbst eine in ihrem Unternehmen beschäftigte Zwangsarbeiterin war.

TEIL 3 - "Ich kann nicht über das Ghetto sprechen."

Die Shoah in Litauen

Claude Lanzmann hatte von Anfang an ein besonderes Interesse am Massaker an litauischen Juden. Die Tonaufnahmen zeigen die Chronologie der tödlichen Ereignisse, die sich unter der deutschen Besatzung seit dem Sommer 1941 ereigneten. Augenzeugen erzählen von den Pogromen, die von der örtlichen Bevölkerung verübt wurden. Sie sprechen von den Massakern, die von einer mobilen Tötungseinheit (Einsatzkommando SS) im Fort 9 von Kaunas und im Wald von Ponary bei Vilnius verübt wurden: In der ersten Hälfte des Jahres 1941 ermordeten diese Einheiten drei Viertel der jüdischen Bevölkerung. In ihren Erzählungen versuchen die Überlebenden auch, Worte zu finden, um das Leben in den Ghettos von Kaunas, Šiauliai und Vilnius zu beschreiben. Der Film wird sich am Ende nur sehr wenig mit diesem Thema befassen.

Vierter Teil - "Nein, für mich ist es vorbei!"

Die Kriminellen

Claude Lanzmann hat sehr früh verstanden, dass er auch für seinen Film die Täter verhören wollte. So suchte er in Deutschland nicht nur hochrangige Beamte, die den Völkermord verübten, sondern auch Bürokraten, Profiteure und Zeugen in den Prozessen der Nachkriegszeit. Der Regisseur und seine Mitarbeiter besuchen die Kriminellen zu Hause, ohne sie zu informieren. In vielen Fällen hört das Gespräch auf, wenn sie an der Tür sind. Wenn sie empfangen werden, verstecken sie den Rekorder hinten in einer Tasche. Verbrecher, wenn sie bereit sind zu sprechen, verstricken sich in Rechtfertigungen, versuchen sich durch egozentrische Behauptungen zu schützen, verzerren die Realität ihrer Beteiligung und leugnen ihre Schuld.

Teil 5 - "Es war ein schrecklicher Marsch."

Erste Reise nach Polen

Die erste Reise nach Polen war für Claude Lanzmann von entscheidender Bedeutung in seinem Ansatz zum Völkermord an den Juden und Jüdinnen Europas. Um diese Reise zu machen, wird er warten müssen, bis er am Ende seiner Forschungen angekommen ist. Als er zu Beginn des Jahres 1978 die Orte der Verfolgung und Vernichtung besuchte, war er von den Erkenntnissen erfüllt, die er aus Büchern, Archiven und unzähligen Interviews gewonnen hatte. Die Präsenz der Geschichte, mit der er in Polen konfrontiert wird, trifft ihn mit unerwarteter Kraft. Die vor Ort aufgenommenen Tonaufnahmen dokumentieren nicht nur die Gespräche mit den Zeitzeugen, sondern auch die Eindrücke, die Lanzmann bei seinen Ortsbesichtigungen empfand. Im selben Jahr kehrte Claude Lanzmann nach Polen zurück und begann mit den Dreharbeiten zu Shoah.

Teil sechs - "Das kann nicht ohne Schmerz geschehen."

Der Ton und das Bild

Nur wenige Personen erscheinen sowohl auf den Tonaufnahmen, im Film Shoah als auch in dem wichtigen Filmmaterial des Films: Jan Piwoński, dessen Interviewsequenzen am Bahnhof Sobibor eine wichtige Rolle in Shoah spielen. Leon Kantarowski, der kurz in einer Szene vor der Kirche von Chełmno auftrat, wo er Organist war. Tadeusz Pankiewicz, der nichtjüdische Apotheker des Krakauer Ghettos, dessen Videoaufnahmen nicht für die Shoah verwendet wurden. Ebenso wie Hillel Kook, der in seinem Interview, das nur im Audioarchiv zu sehen ist, die US-Regierung dafür verantwortlich macht, sich nicht für die Rettung der europäischen Juden und Jüdinnen eingesetzt zu haben.

Einblicke und Perspektiven

Die Tonaufnahmen spiegeln nur einen Teil der Arbeit von mehreren Jahren vor dem Film Shoah wider. Die im Rahmen dieser Recherchen geführten Gespräche wurden nicht immer aufgezeichnet. In den privaten Archiven von Claude Lanzmann finden sich aus dieser Forschungszeit stammende Briefe, Listen, Notizen und Datenblätter, die einen zusätzlichen Einblick in die praktische Arbeit des Regisseurs und seiner Mitarbeiterinnen geben.

Für einen vertieften Einblick in die Lanzmann-Sammlung des Jüdischen Museums Berlin werden die Interviews der Ausstellung vollständig transkribiert, übersetzt und vom Museum kontextualisiert. Diese digitale Ausgabe wird kontinuierlich erweitert und bis Ende 2027 auf der Online-Plattform Oral-History.Digital (OH.D) vollständig verfügbar sein. Für den Zugang ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.

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